Südasien entwickelt sich zunehmend zu einer attraktiven Wachstumsregion für internationale Exporteure. Ein bedeutendes Signal hierfür ist das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien, das am 27. Januar 2026 unterzeichnet wurde und von politischen Vertretern beider Seiten als besonders weitreichend beschrieben wird. In einem Umfeld, in dem sich globale Handelsströme zunehmend verändern, suchen beide Wirtschaftsräume eine engere Zusammenarbeit.

Bereits für 2025 wurde für den deutsch-indischen Warenhandel ein Volumen von 31,3 Milliarden Euro prognostiziert. Das Abkommen könnte diese Entwicklung zusätzlich verstärken. Gleichzeitig wächst die indische Wirtschaft weiterhin deutlich: 2025 lag das Wirtschaftswachstum bei 7,3 %, für 2026 werden laut Internationalem Währungsfonds noch immer 6,4 % erwartet. Treiber dieser Dynamik sind insbesondere eine starke Binnenkonjunktur sowie umfangreiche Investitionen in Infrastrukturprojekte.

Südasiatische Märkte als Alternative zu traditionellen Absatzregionen

Nicht nur Indien, sondern die gesamte Region Südasien gewinnt wirtschaftlich an Bedeutung. Insbesondere Indien und Bangladesch positionieren sich zunehmend als Fertigungsstandorte. Dieser Trend hängt auch mit der aktuellen Entwicklung im Welthandel zusammen: steigende Zölle und politische Unsicherheiten beeinflussen Handelsstrukturen, weshalb Unternehmen ihre Lieferketten stärker diversifizieren.

Für deutsche Unternehmen entstehen daraus neue Absatzmöglichkeiten. Industrialisierung und Produktionsaufbau führen zu einer steigenden Nachfrage nach Maschinen und Anlagen, einem klassischen Exportsegment deutscher Industrie. In vielen Projekten setzen südasiatische Abnehmer zunehmend auf Automatisierung und energieeffiziente Technologien.

Auch der Ausbau erneuerbarer Energien und moderner Netzinfrastrukturen eröffnet Chancen: Investitionen fließen verstärkt in Solar- und Windenergie, Smart Grids und Stromnetze. Zudem wächst die Nachfrage nach Medizintechnik, insbesondere im High-End-Bereich. Zwar treten chinesische Anbieter häufig mit niedrigeren Preisen und kürzeren Lieferzeiten auf, deutsche Unternehmen überzeugen jedoch durch Qualität, Ingenieurskompetenz und Langlebigkeit.

Unterschiedliche Marktbedingungen innerhalb der Region

Trotz der positiven Aussichten ist eine differenzierte Marktstrategie entscheidend, da sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zwischen den einzelnen Ländern deutlich unterscheiden.

Indien ist der mit Abstand größte Markt der Region. Mit dem neuen Freihandelsabkommen sollen Zölle auf nahezu alle Industrieprodukte schrittweise entfallen, sobald das Abkommen vollständig umgesetzt ist. Ein Beispiel ist die Automobilbranche: Importzölle auf Fahrzeuge aus der EU sollen von derzeit 110% auf 10% sinken. Zusammen mit der starken Binnenwirtschaft und umfangreichen Infrastrukturprogrammen macht dies Indien zum zentralen Markt für Unternehmen mit Südasienstrategie.

Bangladesch bietet insbesondere Chancen für Hersteller von Maschinen für die Textil- und Konsumgüterproduktion, da dort verstärkt in Automatisierung und energieeffiziente Produktionsverfahren investiert wird. Allerdings können politische Unsicherheiten das Wachstum bremsen.

Pakistan zeigt steigenden Bedarf vor allem in den Bereichen Energieinfrastruktur und Digitalisierung. Gleichzeitig bestehen dort jedoch höhere politische und finanzielle Risiken, etwa durch eine historisch schwankende Verfügbarkeit von Devisen sowie eine weiterhin gegebene Volatilität der Wechselkurse.

Darüber hinaus existieren kleinere, aber interessante Märkte wie Sri Lanka, Nepal und Bhutan. Diese Länder bieten Nischenpotenziale, insbesondere in den Bereichen erneuerbare Energien und Transportinfrastruktur, auch wenn das Marktvolumen begrenzt bleibt.

Lokale Präsenz als Erfolgsfaktor

Ein rein exportorientierter Ansatz aus der Ferne stößt in Südasien jedoch oft an Grenzen. Unternehmen mit lokaler Präsenz – etwa durch Vertriebsbüros, Serviceeinheiten oder Joint Ventures – verschaffen sich klare Wettbewerbsvorteile.

Besonders wichtig ist es, Kunden vor Ort eine langfristige Partnerschaft zu signalisieren. Dazu gehören beispielsweise After-Sales-Services, Schulungsprogramme für Anwender sowie die Anpassung von Produkten an regionale Standards und Betriebsbedingungen.

Ein weiterer Ansatz ist die Zusammenarbeit mit lokalen Partnerunternehmen. Joint Ventures können den Markteintritt erleichtern und helfen, regulatorische Anforderungen besser zu bewältigen. Vor allem in Indien eröffnen sich dadurch zusätzliche Chancen, da das neue Freihandelsabkommen auch Dienstleistungsanbietern aus der EU einen verbesserten Zugang zu Bereichen wie Finanzdienstleistungen und Seeverkehr ermöglichen soll.

Risikomanagement bleibt entscheidend

Trotz der attraktiven Wachstumschancen sollten Unternehmen Risikomanagement und Finanzierung sorgfältig planen. Für Exporte in viele Länder Südasiens stehen staatliche Exportkreditgarantien des Bundessogenannte Hermesdeckungen – zur Verfügung, die Unternehmen und finanzierende Banken gegen politische oder wirtschaftliche Zahlungsausfälle absichern können.

In Märkten mit langen Zahlungszielen und teilweise volatilen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen können zudem Supply-Chain-Finance-Lösungen hilfreich sein. Diese Modelle verbessern die Finanzierung entlang der Lieferkette, indem Forderungen oder Verbindlichkeiten an Finanzdienstleister übertragen werden und so zusätzliche Liquidität entsteht.

 

Quelle: ExportManager