Ab dem 1. Januar 2028 gilt weltweit die neue Ausgabe des Harmonisierten Systems (HS 2028) zur zolltariflichen Einreihung von Waren. Die Weltzollorganisation (WCO) hat diese Fassung veröffentlicht, um die internationale Warennomenklatur an aktuelle Entwicklungen anzupassen.

Inkrafttreten der überarbeiteten Systematik

Das HS basiert auf einem sechsstelligen Warencode, der von nahezu allen Staaten als gemeinsame Grundlage für den Außenhandel verwendet wird. Dadurch lassen sich Zollsätze und Einfuhrvorschriften in Drittländern vergleichsweise einheitlich ermitteln. Die bisher gültige Version HS 2022 wird damit abgelöst. Üblicherweise erfolgt eine Aktualisierung im Fünfjahresrhythmus, die letzte Überarbeitung hat sich jedoch pandemiebedingt um ein Jahr verzögert.

Zentrale Neuerungen im Überblick

Die Anpassungen des HS 2028 orientieren sich vor allem an Anforderungen des Umweltschutzes, am technologischen Fortschritt sowie an Erfahrungen aus der Corona-Pandemie. Mehrere Warengruppen sind von strukturellen Änderungen betroffen, um den globalen Handel transparenter und effizienter abzubilden.

Öffentliche Gesundheit

Im Bereich der öffentlichen Gesundheit wurden neue Klassifizierungen eingeführt, die insbesondere auf pandemiebedingte Anforderungen reagieren. Ziel ist es, Maßnahmen wie vereinfachte Verfahren, beschleunigte Zollabfertigungen oder spezifische Erleichterungen in Krisensituationen schneller umsetzen zu können. Dafür wurden unter anderem eigene HS-Codes für Impfstoffe sowie weitere medizinische Erzeugnisse wie persönliche Schutzausrüstung und Krankenwagen geschaffen. Diese Differenzierung soll die Nachverfolgbarkeit internationaler Warenströme spürbar verbessern.

Nahrungsergänzungsmittel

Für Nahrungsergänzungsmittel sieht das HS 2028 eine neue tarifliche Überschrift sowie ergänzende Anmerkungen vor. Hintergrund sind bisherige Abgrenzungsschwierigkeiten zwischen Lebensmitteln und pharmazeutischen Produkten. Die neuen Regelungen sollen die Einreihung vereinfachen und eine klarere Zuordnung ermöglichen.

Kunststoffabfälle

Auch der Bereich Kunststoffabfälle wurde überarbeitet. Die neue Struktur orientiert sich stärker an den Kategorien des Baseler Übereinkommens und unterscheidet präziser zwischen gefährlichen Abfällen, PIC-überwachten Kunststoffabfällen und sonstigen Kunststoffresten. Zusätzlich wird das Thema Einwegkunststoffe ausdrücklich berücksichtigt, um aktuelle umweltpolitische Anforderungen besser abzubilden.

Unterstützung bei der Umstellung

Für Unternehmen stehen sogenannte Korrelationstabellen zur Verfügung, mit denen sich Änderungen zwischen der bisherigen und der neuen HS-Version nachvollziehen lassen. Diese Tabellen ermöglichen es, betroffene Warennummern frühzeitig zu identifizieren. Die Vergleichstabellen zwischen HS 2022 und HS 2028 sind derzeit noch nicht veröffentlicht und werden zu einem späteren Zeitpunkt von der WCO bereitgestellt.

 

Quelle: GTAI