Mauretanien startet mit deutlich verbesserten Rahmenbedingungen in das Jahr 2026. Gasexporte, Investitionen in Uran und grünen Wasserstoff sowie internationale Kooperationen sorgen für neue Dynamik. Gleichzeitig bleiben strukturelle Risiken wie soziale Ungleichheit und die starke Abhängigkeit von Rohstoffen bestehen.

Neue Impulse durch das GTA-Gasprojekt

Nachdem Verzögerungen bei der Gasförderung und eine schwächere Goldproduktion das Wachstum 2024 gebremst hatten, bringt die vollständige Inbetriebnahme des GTA-Gasprojekts (Greater Tortue Ahmeyim) neuen Schwung. Das gemeinsam mit Senegal entwickelte Vorhaben wird von BP und Kosmos Energy geführt. Die erste Phase startete Anfang 2025.

Mit einer jährlichen Kapazität von rund 2,5 Millionen Tonnen Flüssigerdgas markiert das Projekt einen wirtschaftlichen Wendepunkt. Das geförderte Gas dient sowohl der nationalen Stromversorgung als auch dem Export; erste Lieferungen erfolgten im April 2025.

Einstieg in Uran und grünen Wasserstoff

Parallel treibt das Land den Einstieg in den Uransektor voran. In der Region Tiris Zemmour entwickelt die australische Aura Energy ein Großprojekt. Nach Genehmigungen im Sommer 2024 steht die endgültige Investitionsentscheidung noch aus. Das geplante Anfangsbudget liegt bei etwa 230 Millionen US-Dollar.

Zudem bereiten mehrere internationale Unternehmen Investitionen in grünen Wasserstoff vor; entsprechende Entscheidungen werden im Laufe des Jahres 2026 erwartet. Damit positioniert sich Mauretanien als potenzieller Akteur im Bereich der Energiewende.

Der Bergbau bleibt insgesamt bedeutend: Gold steht für rund 39 Prozent der Exporte, Eisenerz für etwa 28 Prozent. Hohe Weltmarktpreise stützen die Produktion zusätzlich.

Dienstleistungssektor und Risiken in der Fischerei

Neben Rohstoffen spielt der Dienstleistungssektor eine zentrale Rolle. Er trug 2024 rund 48 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei und profitiert von Investitionen in Telekommunikation und Infrastruktur. Moderate Preise für Öl und Lebensmittel – zentrale Importgüter – entlasten die Handelsbilanz und stärken den privaten Konsum, der mehr als die Hälfte der Wirtschaftsleistung ausmacht.

Die Fischerei hingegen verliert an Dynamik. Nach einem Rekordfang von 1,5 Millionen Tonnen im Jahr 2024 und Exporten von über 1 Million Tonnen normalisiert sich die Produktion. Angesichts eines Anteils von fast 10 Prozent am BIP, 23 Prozent an den Exporten und über 50.000 Arbeitsplätzen birgt eine mögliche Überfischung erhebliche soziale Risiken.

Haushaltskonsolidierung und internationale Finanzierung

Die Haushaltslage verbessert sich durch zusätzliche Gaseinnahmen, die Einführung einer CO₂-Steuer sowie strengere Steuererhebungen. Unterstützt wird dieser Kurs durch Programme des Internationaler Währungsfonds. Seit 2023 nutzt Mauretanien drei IWF-Instrumente – Extended Fund Facility, Extended Credit Facility und Resilience & Sustainability Facility – mit einem Gesamtvolumen von rund 345 Millionen US-Dollar, wovon etwa 150 Millionen US-Dollar bereits ausgezahlt wurden.

Auch die Leistungsbilanz entwickelt sich günstiger. Gasexporte und rückläufige Importe, insbesondere bei Investitionsgütern sowie durch niedrigere Öl- und Lebensmittelpreise, reduzieren das Defizit. Gleichzeitig bleibt das Dienstleistungsdefizit hoch, da umfangreiche Rohstoffinvestitionen importintensiv sind. Die Finanzierung erfolgt überwiegend über ausländische Direktinvestitionen sowie Kredite bilateraler und multilateraler Partner. Rund 60 Prozent der Auslandsschulden entfallen auf multilaterale Gläubiger.

Politische Stabilität und strategische Partnerschaften

Politisch zeigt sich das Land stabil. Präsident Mohamed Ould Ghazouani wurde im Juni 2024 für eine zweite und letzte Amtszeit bestätigt; seine Partei El Insaf verfügt seit 2023 über die Parlamentsmehrheit. Trotz sozialer Spannungen und struktureller Herausforderungen gilt die Sicherheitslage als vergleichsweise robust.

International setzt Mauretanien auf enge Partnerschaften. Kooperationen mit Senegal im Rahmen des GTA-Projekts, Investitionen aus Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten in Energievorhaben sowie eine verstärkte Unterstützung durch die Europäische Union über die Global-Gateway-Initiative prägen die außenwirtschaftliche Ausrichtung. Auch die USA signalisieren wachsendes Interesse an Handelspräferenzen und Investitionen.

Für Exporteure und Investoren ergeben sich damit insbesondere in den Bereichen Energie, Infrastruktur und Dienstleistungen neue Ansatzpunkte – bei gleichzeitig fortbestehenden Risiken durch Rohstoffabhängigkeit und begrenzte Diversifizierung.

 

Quelle: ExportManager