Mehr Menschen, steigende Einzelhandelsumsätze und eine wachsende Mittelschicht: Zentralasien bietet deutschen Unternehmen interessante Absatzmöglichkeiten. Besonders Kasachstan und Usbekistan rücken dabei in den Fokus. Hochwertige Konsumgüter finden hier Nachfrage, während sich Handelsketten und digitale Vertriebswege weiterentwickeln.

Die Region zählt inzwischen rund 84 Millionen Einwohner und ist seit 2025 bevölkerungsreicher als Deutschland. Nach Einschätzung der Eurasischen Entwicklungsbank könnten bis 2040 etwa 96 Millionen Menschen in Zentralasien leben. Auch die wirtschaftliche Entwicklung eröffnet Perspektiven: Seit mehreren Jahren liegen die Wachstumsraten zwischen 5 und 11 Prozent. Internationale Beobachter erwarten zwar mittelfristig eine geringere Dynamik, rechnen aber weiterhin mit Wachstum.

Kasachstan und Usbekistan bieten unterschiedliche Marktpotenziale

Für Unternehmen lohnt sich besonders ein Blick auf die beiden größten Volkswirtschaften der Region. Kasachstan verfügt über die höchste Kaufkraft in Zentralasien. Beim nominalen Bruttoinlandsprodukt je Einwohner liegt das Land mittlerweile vor Russland und China. Lebensmittel haben großes Gewicht im kasachischen Einzelhandel. Ihr Anteil am gesamten Einzelhandelsumsatz betrug 2025 rund 33,1 Prozent.

Usbekistan bringt dagegen vor allem seine große Bevölkerung ein: Mit 38 Millionen Einwohnern lebt dort nahezu die Hälfte der Menschen Zentralasiens. In den Großstädten beider Länder wächst eine Mittelschicht, die Absatzchancen für Konsumgüter und Dienstleistungen aus Deutschland bietet.

Der Einzelhandel legt zu

Nach Schätzungen des Marktforschungsunternehmens Infoline erreichte der Einzelhandel in Zentralasien 2025 erstmals einen Umsatz von mehr als 100 Milliarden US-Dollar. Ungefähr die Hälfte entfiel auf Kasachstan, etwa ein Drittel auf Usbekistan. Kirgisistan, Tadschikistan und Turkmenistan teilten sich das übrige Volumen.

Neben der zunehmenden Bevölkerung unterstützen die Urbanisierung, die Ausbreitung von Handelsketten und der Onlinehandel diese Entwicklung. Besonders deutlich fällt das Wachstum in Usbekistan aus: Für die erste Jahreshälfte 2026 meldete das dortige Statistikamt einen Zuwachs im Einzelhandel von rund 20 Prozent.

Onlinehandel: Kasachstan ist weiter, Usbekistan holt auf

Die Vertriebsstrukturen unterscheiden sich zwischen den beiden Ländern. In Usbekistan begann die wirtschaftliche Öffnung erst 2016. Märkte und Basare prägen den Einzelhandel weiterhin, während der E-Commerce einen Anteil von etwa 3 bis 5 Prozent erreicht.

In Kasachstan entfielen 2025 bereits rund 14 Prozent des Einzelhandels auf Onlineverkäufe. Die Regierung erwartet, dass dieser Anteil bis 2030 auf 20 Prozent steigt.

Eine wichtige Rolle spielen dabei digitale Handelsplattformen. Über sie werden 86 Prozent des kasachischen Onlinehandels abgewickelt. Telefone und Unterhaltungselektronik erreichen 17,1 Prozent. Auf Bekleidung, Schuhe und Sportartikel entfallen 12,4 Prozent, auf Haus- und Gartenartikel 12,1 Prozent und auf Haushaltsgeräte 10,3 Prozent. Weitere Produktgruppen sind mit zusammen 48,1 Prozent im größten Segment gebündelt. Diese Werte beschreiben die Zusammensetzung der Marketplace-Verkäufe und beziehen sich nicht auf den gesamten Einzelhandel.

Hochwertige Produkte brauchen auch das Geschäft vor Ort

Trotz des wachsenden Onlinehandels behalten Ladengeschäfte ihre Bedeutung, insbesondere für Produkte im oberen Preissegment. Das zeigt das Beispiel von „BSH Hausgeräte“ in Kasachstan.

Nach Angaben des Unternehmenschefs Daniel Braun werden inzwischen über 40 Prozent der Haushaltsgeräte im Land online verkauft. BSH setzt zugleich auf die Präsenz vor Ort: 2024 eröffnete das Unternehmen einen Flagship-Store in Almaty, in dem Interessierte Geräte in Betrieb sehen können.

Zusammen mit Partnern betreibt BSH mittlerweile 13 Bosch-Geschäfte in Kasachstan und plant weiteres Wachstum. Braun beschreibt die Kunden als ausgesprochen markentreu und bewertet das Land als bedeutenden Wachstumsmarkt für sein Unternehmen.

Lokale Partner und passende Produkte stärken den Vertrieb

Deutsche Mittelständler nutzen in Kasachstan vor allem Vertriebspartner. Ein Beispiel ist „Pufas“: Der Hersteller von Renovierungsprodukten vertreibt unter anderem Tapetenkleister, Spachtelmassen und Reinigungsmittel über größere Baumarktketten.

Das Unternehmen ist seit mehr als zwei Jahrzehnten im Land aktiv. Nach Angaben von Export Director Andreas Alexander entwickelte sich das Geschäft gemeinsam mit den Partnern. Dazu trug bei, dass Pufas sein Angebot auf die Anforderungen der Kundschaft vor Ort abstimmte.

Der Markt ist allerdings längst von zahlreichen Anbietern erschlossen. Neben Unternehmen aus China, der Türkei und Russland treten zunehmend kasachische Wettbewerber auf. Neue Kunden zu gewinnen, bleibt deshalb anspruchsvoll.

Nach Einschätzung von Eduard Kinsbruner, Delegierter der Deutschen Wirtschaft für Zentralasien, punkten deutsche Anbieter gegenüber chinesischen Wettbewerbern vor allem mit technischer Qualität und zuverlässigem Service. Belastbare Geschäftsbeziehungen über längere Zeiträume spielen ebenfalls eine entscheidende Rolle.

Angekündigte Messen für den Einzelhandel

Mehrere Fachveranstaltungen in Almaty und Taschkent rücken Konsumgüter und Handelslösungen in den Fokus – von Lebensmitteln über Haushaltsgeräte bis hin zu E-Commerce und Logistik:

In Almaty findet die „Foodexpo Qazaqstan“ vom 11. bis 13. November 2026 statt. Sie richtet sich an die Lebensmittelbranche, Anbieter schnelllebiger Konsumgüter und Supermärkte.

Für dieselben Bereiche ist die „UzFood“ in Taschkent vom 13. bis 15. April 2027 vorgesehen. Ebenfalls in Taschkent folgt vom 27. bis 29. April 2027 die „Retail Show Central Asia“ mit Themen wie Einzelhandel, E-Commerce, Ladeneinrichtung und Logistik. Haushaltswaren und Haushaltsgeräte stehen bei der „Central Asia Houseware“ in Almaty vom 24. bis 26. Juni 2027 im Mittelpunkt.

Einfuhranforderungen frühzeitig prüfen

Zum Einstieg in Kasachstan oder Usbekistan gehört auch die Prüfung der Zulassungs-, Registrierungs- und Zertifizierungsanforderungen.

Darüber hinaus sollten Unternehmen die Regelungen zu Verbraucherschutz, Produkthaftung und Gewährleistung berücksichtigen. Wer über digitale Kanäle verkauft, sollte auch prüfen, ob besondere Registrierungs- und Steuerpflichtengelten.

 

Quelle: GTAI