Die EU und Indien haben vergangene Woche die Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen erfolgreich abgeschlossen. Gleichzeitig verschärft Indien seine Handelspolitik gegenüber Maschinenimporten aus China und Taiwan und verändert damit die Wettbewerbsbedingungen im Kunststoffsektor. Für deutsche Maschinen- und Anlagenbauer ergeben sich dadurch neue Marktchancen in einem stark wachsenden Industrieumfeld.

Durchbruch bei Handelsabkommen

Nach jahrelangen und mehrfach unterbrochenen Gesprächen haben die EU und Indien Ende Januar 2026 eine Einigung über ein Freihandelsabkommen erzielt. Kernpunkt ist der weitgehende Abbau von Zöllen für fast alle EU-Exporte nach Indien, darunter deutliche Zollsenkungen bei Fahrzeugen sowie die schrittweise Abschaffung von Abgaben auf Autoteile, Maschinen, Chemie- und Pharmaprodukte. Auch für ausgewählte verarbeitete Agrarwaren wie Süßwaren und alkoholische Getränke sind Erleichterungen vorgesehen. Zusätzlich wurden Verbesserungen beim Zugang zu Dienstleistungsmärkten vereinbart. Bevor das Abkommen wirksam wird, müssen jedoch noch die formelle Zustimmung des EU-Rates sowie die Ratifizierung durch die Parlamente beider Seiten erfolgen, damit das Handelsabkommen in Kraft treten kann.

Wachsender Kunststoffmarkt als Treiber der Nachfrage

Indien entwickelt sich zu einem dynamischen Absatzmarkt für Maschinen- und Anlagenbauer. Besonders die Kunststoffindustrie gewinnt an Bedeutung. Nach Angaben der All India Plastic Manufacturers Association (AIPMA) soll der Marktwert von 26,6 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 auf 40,5 Milliarden US-Dollar bis 2030 steigen. Die India Brand Equity Foundation prognostiziert sogar ein Volumen von 44,6 Milliarden US-Dollar im Jahr 2030. Diese Perspektiven stimmen die rund 30.000 Kunststoffhersteller im Land optimistisch, von denen 85 bis 90 Prozent Kleinst-, kleine und mittlere Unternehmen sind.

Steigende Inlandsnachfrage nach Kunststoffprodukten

Das Branchenwachstum wird maßgeblich durch die wachsende Binnennachfrage getragen. Fachleute rechnen mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von etwa 14 Prozent über alle Teilbereiche hinweg. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Kunststoff lag Schätzungen zufolge bei 15 Kilogramm pro Jahr, dürfte inzwischen jedoch höher liegen. Im internationalen Vergleich zeigt sich weiterhin erhebliches Potenzial, da der Verbrauch in China bei 62 Kilogramm und in den USA bei 112 Kilogramm pro Person und Jahr liegt. Besonders dynamisch entwickelt sich der Verpackungssektor mit Zuwachsraten von über 20 Prozent pro Jahr, unter anderem getrieben durch den boomenden Onlinehandel.

Zusätzliche Impulse kommen aus anderen Abnehmerbranchen. Die Nachfrage nach Personenkraftwagen nahm infolge einer Senkung der Umsatzsteuer im September 2025 deutlich zu. Gleichzeitig entstehen neue Absatzmärkte für Kunststoffprodukte, etwa in der Halbleiterindustrie und der Smartphone-Produktion. Auch die Bauwirtschaft bleibt ein wichtiger Wachstumsmotor, gestützt durch staatliche Infrastrukturausgaben sowie steigenden Wohnungsbau infolge der Urbanisierung.

Importabhängigkeit bei Rohstoffen und Maschinen

Trotz des Ausbaus lokaler Produktionskapazitäten bleibt Indien bei zentralen Vorprodukten wie Polypropylen weiterhin auf Importe angewiesen. Ähnlich ist die Situation bei Maschinen zur Kunststoffverarbeitung, die bislang überwiegend aus China stammen. Damit konkurrieren chinesische Anbieter direkt mit deutschen Exporteuren.

Hohe Antidumpingzölle verändern die Wettbewerbssituation

Um heimische Hersteller vor preisgünstigen Importen zu schützen, führte die indische Regierung im Sommer 2025 Antidumpingzölle auf Maschinen zur Herstellung von Kautschuk- und Kunststoffprodukten sowie entsprechende Teile ein. Für Waren aus China beträgt der Zollsatz 63 Prozent des CIF-Wertes (Warenwert der Maschine + Versicherung + Frachtkosten), für Importe aus Taiwan 53 Prozent.

Bisher sprachen vor allem kürzere Lieferzeiten und niedrigere Preise für chinesische Maschinen. Durch die neuen Zollregelungen verschiebt sich das Wettbewerbsumfeld. Deutsche Maschinenbauer gewinnen an Preisattraktivität, da der Abstand zu chinesischen Angeboten kleiner wird.

 

Quelle: GTAI