Grönland steht aktuell verstärkt im internationalen Fokus. Auslöser sind vor allem die strategische Lage der Insel sowie ihre Vorkommen an kritischen Rohstoffen. Gleichzeitig bleibt die wirtschaftliche Struktur klar geprägt von traditionellen Sektoren und einer engen Anbindung an Dänemark.
Wirtschaftliche und handelspolitische Anbindung an Europa
Obwohl Grönland kein EU-Mitglied ist, profitiert es über das OCT-Statut von Handelsvorteilen. Zwischen 2021 und 2027 fließen 225 Millionen Euro aus EU-Mitteln in nachhaltige Entwicklung, Bildung und grünes Wachstum. Ergänzt wird dies durch dänische Zuschüsse sowie EU-Programme wie Global Gateway und die Arktis-Strategie. Die 2023 unterzeichnete Absichtserklärung zu kritischen Rohstoffen positioniert Grönland zudem als potenziellen Rohstoffpartner Europas.
Infrastruktur und Investitionsrahmen im Wandel
Die geographischen Bedingungen stellen hohe Anforderungen an Logistik und Transport, da über 81 Prozent der Insel von Eis bedeckt sind. Mit der Erweiterung des Flughafens Nuuk im November 2024 und einem dänischen Investitionspaket von rund 220 Millionen Euro wurden jedoch wichtige Grundlagen für bessere Anbindung geschaffen. Geplante Projekte wie ein Tiefwasserhafen in Qaqortoq und ein Flughafen in Ittoqqortoormiit bis 2029 sollen die wirtschaftliche Erschließung weiter unterstützen. Parallel dazu gilt seit dem 1. Januar 2026 ein neues Investitionskontrollsystem, das ausländische Beteiligungen in sensiblen Bereichen ab 25 Prozent genehmigungspflichtig macht und damit klare Rahmenbedingungen für Direktinvestitionen setzt.
Außenhandel: Dominanz der Fischerei
Über 90 Prozent der Exporte entfallen auf Fischereiprodukte, deren Wert 2024 bei umgerechnet 679,7 Millionen Euro lag. Maschinen und Transportequipment spielten mit 10,2 Millionen Euro nur eine untergeordnete Rolle. Wichtigster Handelspartner ist Dänemark, während Deutschland 2024 Fisch- und Fleischzubereitungen im Wert von 22,5 Millionen Euro abnahm.
Auf der Importseite ist Grönland auf Maschinen, Transporttechnik sowie Mineralöle angewiesen, vor allem aus Dänemark und Schweden. Deutschland zählt zwar zu den sechs wichtigsten Handelspartnern, die Handelsvolumina sind jedoch gering.
Rohstoffe und Arbeitsmarkt
Trotz bekannter Vorkommen an seltenen Erden (laut Angaben des staatlichen Dienstes Dänemarks und Grönlands über 36,1 Mio. Tonnen) und anderen kritischen Rohstoffen wie Gold, Zink, Nickel, Wolfram und Kupfer ist deren wirtschaftliche Nutzung bislang marginal. Hohe Förderkosten, schwierige Logistik und fehlende Infrastruktur verhindern derzeit eine rentable Ausbeutung. Rohstoffe sind damit strategisch wichtig, aber wirtschaftlich noch nicht relevant.
Der Arbeitsmarkt wird überwiegend vom öffentlichen Sektor geprägt. Ein Großteil der Beschäftigten arbeitet in den Kommunen oder der grönländischen Regierung. Weitere wichtige Bereiche sind Fischerei, Jagd, Bauwirtschaft sowie Groß- und Einzelhandel.
Quelle: GTAI

